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Reality by Observation

Irak's Freier Kunstmarkt :-/

Sumerologen, Assyrologen und Archäologen sind nicht nur geschockt und empört, sondern inklusive unserer US-Kollegen auch wütend auf die US-Regierung, die versprochen hatte, dass sich Fehler – wie versehentliche Bombardierungen antiker Städte im Golfkrieg 1991 – nicht wiederholen würden. US-Aussenministerium sowie Pentagon haben vor dem Krieg eine Expertengruppe nach Washington bestellt, um eine Prioritätenliste zu schützender Museen und antiker Stäüdte anzufertigen, und das Pentagon versprach auch dem American Institute of Archeology, Museen und antike Städte zu schützen. Nicht nur das Irak-Museum in Baghdad, sondern auch das Museum in Mosul (wo sich vorallem assyrische Funde aus dem Nordirak befanden) wurde total geplündert. Dagegen wurde im Museum in Basra anscheinend wenig gestohlen, weil die Briten weitere Plünderungen sehr schnell verhindert haben. Ein US-Kollege bezeichnet die Vernichtung der irakischen Museen als Tragödie, die einmalig in der Weltgeschichte ist, vergleichbar nur mit dem Brand der Bibliothek in Alexandra, oder einer Zerstörung des Louvre, British Museum beziehungsweise aller Museen in Washington. Es gab nur drei Museen mit umfangreichen und bedeutenden Sammlungen sumerischer, babylonischer und assyrischer Objekte: Louvre, British Musuem und Iraq Museum. Nun ist eines und damit weit mehr als ein Drittel verloren, denn der Irak war der erste Staat, der Fundteilung mit den ausländischen Ausgräberländern Ende der zwanziger Jahre verboten hat. Diese Tragödie hütte vermieden werden können und vorallem müssen. Jedoch haben die ersten Antworten der US-Generäle sowie Rumsfelds erkennen lassen, dass das Militär wohl nie vorhatte, besondere Anstrengungen zu unternehmen, um Kunst- und Kulturgüter zu schützen. Wie nach dem ersten Golfkrieg werden sicher Objekte aus den Museen, aber auch solche, die aus den Mauern antiker Städte gesägt wurden, auftauchen.

Wir Wissenschaftler können einiges verhindern, so z.B. waren assyrische Reliefs so gut wie unverkäuflich nach der Veröffentlichung eines Buches mit Fotos der Stücke an ihrem Ursprungsort. Aber angesichts der vielen unveröffentlichten sowie kleineren Objekte und Keilschrifttafeln, die gestohlen wurden, sind wir jetzt mit einer Aufgabe konfrontiert, die die zahlenmässig sehr kleine Gruppe der Wissenschaftler, die sich mit dem alten Mesopotamien auskennt, nicht allein, sondern nur mit Unterstützung weiterer Kreise angehen kann. Unter diesen Umständen hoffe ich, dass Kollegen, die mit dem Kunsthandel überhaupt nichts zu tun haben wollen, mit allen zusammenarbeiten werden, die uns helfen wollen, d.h. auch mit Kunsthändlern.

Im Moment ist die Empörung gross, aber sie wird nachlassen, sobald sich die Lage im Irak einigermassen beruhigt hat und nicht mehr im Brennpunkt der Medien steht. Dann werden wir es schwer haben, mit unseren Anliegen Gehör zu finden. Deshalb müssen wir jetzt schnell handeln.

//Leserbrief von Julia Asher-Greve, Basel, abgedruckt in der BaZ vom 24.4.03

Das Orientalische Institut der Uni Chigaco hat damit begonnen, eine Datenbank der im Irak gestohlenen Kunstwerke aufzubauen. Einige Objekte können in einer Diashow angezeigt werden.

Orientalisches Institut der Uni Chigaco